Ortheils Empfehlungen

Leseliste Sommer 2021

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Arnold Stadler - Am siebten Tag flog ich zurück - Meine Reise zum Kilimandscharo


Der Ich-Erzähler in Arnold Stadlers neuem Roman fliegt zum Kilimandscharo, weiß aber nicht genau, was er dort sucht und will. Er erinnert sich an traumhafte Bilder des großen Berges aus seiner Kindheit und an die Sehnsucht, die sich damit verband. In Afrika angekommen, gerät dieses Gefühl aber schon bald auf den Prüfstand – so wie das ganze Unternehmen überhaupt. Warum soweit reisen? Sollte er es nicht bei der Sehnsucht belassen? Der Erzähler denkt nicht wirklich daran, den Kilimandscharo zu besteigen, sondern umkreist ihn unaufhörlich, in wunderbar skurrilen und bizarren Gedanken. Am Ende hat er so etwas wie den Kilimandscharo-Blues und reist am siebten Tag wieder ab. Ein Roman aus der Zeit nach den schlimmsten Tagen der Pandemie, ironisch, heiter und nachdenklich: Lohnt sich das Reisen wieder? Lohnt es sich überhaupt noch? Oder: Wie weiter?!

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Sigrid Damm - Wandern – ein stiller Rausch


Die Schriftstellerin Sigrid Damm ist mit ihren beiden Söhnen vor einigen Jahren durch Lappland gewandert. Die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Wanderungen hat sie in Texten festgehalten, die aus verschiedenen Perspektiven von einsamen, stillen und meditativen Wegen erzählen: Aus denen eines Wanderers, der die Beobachtungen der Söhne mitteilt, und aus denen einer Wanderin, die von Sigrid Damms eigenen Eindrücken berichtet. Den stillen Rausch des Gehens und Schauens empfindet der Leser bald selbst. Erinnerungen an Erlebtes, Träume und Fantasien werden im herumschweifenden Blick auf die Landschaft lebendig, als befände man sich in einer Kammer innerer Bilder, die bruchstückhaft die Geschichten eines Lebens erzählen. Wanderungen, ganz anders als gewohnt, ohne Schweiß und Fleiß, vielmehr intensiv wirkende Fluchten nach innen.

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Thomas Wolfe - Eine Deutschlandreise in sechs Etappen


Aus dem Amerikanischen  Englisch übersetzt von Renate Haen, Barbara von Treskow und Irma Wehrli

Der amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe, der 1929 als noch nicht Dreißigjähriger seinen später bekanntesten Roman „Schau heimwärts, Engel“ veröffentlichte, reiste in den Jahren von 1926 bis 1936 sechsmal nach Deutschland. Dieses Buch dokumentiert seine Deutschlandreisen in besonders interessanter Form. Es enthält seine detaillierten Reisenotizen, aber auch die Briefe und längeren Erzählungen, zu denen er diese Notizen ausbaute. Wolfe hat eine starke Beobachtungsgabe, notiert immer konkret und genau und erliegt nicht selten dem spezifischen Zauber deutscher Städte und Landschaften noch vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Eine immense Reiselust spricht aus diesen Texten, eine neugierige und spontane Suche abseits von bekannten Sehenswürdigkeiten. Aus Köln etwa berichtet er der Mutter von seinem großen Glück: „Es gibt massenweise riesige Gaststätten, riesige Bierhäuser und kleinere buchstäblich zu Tausenden. Anscheinend sind die Deutschen die meiste Zeit mit Essen und Trinken beschäftigt.“

Hanns-Josef-Ortheil Autorenblog

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