Lesetipps

Maria Semple - Ab heute wird alles anders

Auf den ersten Seiten gibt es viel zu lachen über Eleanor, die eigentlich alles hat und doch nicht zufrieden ist. Auch dieser Tag beginnt wie so viel andere: sie macht, leicht genervt, das Frühstück für ihre Familie, der Sohn richtet sich für die Schule. Nur ihr Mann Joe legt für einen Augenblick die Stirn auf den Tisch. Naja. Sie gibt ihren Sohn in der Schule ab. Als sie dann einen Anruf erhält, dass es ihrem Sohn schlecht geht, bekommt der Tag eine unverhoffte rasante Wendung, sie trifft Bekannte aus der Vergangenheit und erinnert sich an ihr Leben.


Auf einmal hat dieses Buch Tiefgang und der Humor wird schwarz. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll über diese Rückblicke, die Gegenwart, die Ideen unserer Heldin. Eines ist aber sicher: man leidet mit ihr, freut sich und ist von diesem verrückten Ende genau so überrumpelt wie sie selbst.

Großartige Unterhaltung: sehr witzig, lässig, amerikanisch und leicht crazy.

Domenico Dara - Der Postbote von Girifalco

Süditalien in den 60er Jahren, kurz vor der amerikanischen Mondlandung. Im verschlafenen Girifalco geht alles seinen gewohnten Gang, die anstehenden Kommunalwahlen sind das Aufregendste, was die Gemeinde in nächster Zeit erwarten kann. Doch der Schein trügt. Das entlarvt nach und nach der Postbote von Girifalco, der die Briefe der Dorfbewohner öffnet und ihre Geschicke nach seinem Ermessen lenkt. Da gibt es Erpressereien, Mord und Totschlag.


Der Postbote von Girifalco scheint sich in seinem zurückgezogenen Dasein eingerichtet zu haben, bis ein mysteriöser Brief aus der Vergangenheit auftaucht, der das Leben aller Beteiligten gehörig durcheinanderbringt. Sehr poetisch erzählt, man fühlt sich beim Lesen wie auf Urlaub in Italien.

Peggy Mädler - Wohin wir gehen

Almut und Rosa, zwei Mädchen im Böhmen der 1940er Jahre sind enge Freundinnen. Nach dem Tod von Almuts Eltern nimmt Rosas Mutter, eine deutsche Kommunistin und Antifaschistin, das Mädchen in ihre Obhut. Die Familie muss – wie alle Deutschen nach dem Krieg – die Tschechoslowakei verlassen. In einem Dorf in Brandenburg angekommen, teilen Almut und Rosa die Erfahrungen von Verlust und Entwurzelung, aber auch von wachsender Verbundenheit mit dem neu gegründeten Staat.


Sie ziehen weiter nach Berlin, werden beide Lehrerinnen, wagen Neuanfänge, verlieben und entlieben sich und engagieren sich in der Politik. Wunderbar und einfühlsam erzählt.

Gabriele Tergit - Die Effingers

Die Effingers aus Kragsheim aus Süddeutschland sind gemeinsam mit den Oppners auf Berlin über vier Generationen hinweg die Hautpersonen dieses großartigen Romans von Gabriele Tergit. Gutsituierte gebildete Bürger, die ihre Söhne in den ersten Weltkrieg schicken und im Berlin der Jahrhundertwende jeden Schicksalsschlag mit Haltung ertragen.


Es wird gelebt, geliebt, gefeierte und geglaubt und keiner kann sich vorstellen, dass der aufkommende Nationalsozialismus diesem Lebensgefühl ein Ende bereiten wird.  Über 900 Seiten lässt sich die Autorin Zeit für eine beeindruckende Chronik einer versunkenen Welt.

Anke Stelling - Schäfchen im Trockenen

Schäfchen im Trockenen ist der beste deutschsprachige Roman des Frühjahrs und erhält den Preis der Leipziger Buchmesse. Zur Begründung sagt die Jury:


"Schäfchen im Trockenen" ist ein scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss, der protestiert gegen den beständigen Versuch des besänftigt Werdens, der etwas aufreißt in unserem sicher geglaubten Selbstverständnis und dadurch den Kopf frei macht zum hoffentlich klareren Denken. 
Auch wir bei Buch im Süden sind dieser Meinung und haben die Autorin am 19. September zu Gast.

Erleben Sie selbst mit welcher Präzision Anke Stelling ihre Figuren agieren lässt und wie anstrengend es sein kann, immer bei sich zu bleiben.

 

Marion Brasch - Lieber woanders

Toni und Alex. Zwei Menschen, die sich nicht kennen und doch durch ein Schicksal miteinander verbunden sind. Toni leidet unter dem Verlust ihres kleinen Bruders für den sie sich verantwortlich fühlt. Alex führt ein Doppelleben und trägt an einer schweren Schuld, über die er nie gesprochen hat. 24 Stunden bewegen sich diese beiden Menschen aufeinander zu, bis sich ihre Wege trotz skurriler Begegnungen und komischer Zwischenfälle schließlich kreuzen.


Marion Brasch erzählt mit einer wahnsinnigen Intensität auf wenigen Seiten, wie ein einziger Augenblick das Leben von Menschen verändern kann.

Natasha Bell - Alexandra

Zwölf Jahre ist es her, dass die junge Künstlerin Alexandra und Marc geheiratet haben. Seitdem ist sie eine liebende Ehefrau und Mutter zweier Töchter. Bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Die Polizei findet nur ihre blutige Kleidung am Flussufer, und plötzlich wird aus der Vermisstensuche eine Mordermittlung.


Ihr Mann glaubt nicht daran, dass sie ermordet wurde und sucht weiter nach ihr. Ein packender Psychothriller, der die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt, mit einem Ausgang, mit dem wirklich niemand rechnen würde. Muss man lesen!!!

Maria Duenas - Eine eigene Zukunft

New York, 1936: In der Hauptstadt der Welt sollen Victoria, Mona und Luz, die aus der andalusischen Provinz stammen, ihren Vater bei der Arbeit im Restaurant unterstützen. Doch als dieser unerwartet ums Leben kommt, brauchen die drei Schwestern dringend einen Plan, um sich über Wasser zu halten: Kurzerhand verwandeln sie das Lokal in einen Nachtklub …


Mit "Eine eigene Zukunft"  hat die spanische Autorin María Dueñas einen ergreifenden Schwesternroman geschrieben – ein Buch über den Zusammenhalt der Familie, die Kraft der ersten großen Gefühle und über drei starke Frauen, die für ihren Platz in der Welt kämpfen.

Duenas beherrscht die Kunst des Fabulierens.

Vea Kaiser - Rückwärtswalzer

Als Onkel Willi stirbt, stehen der von Liebeskummer geplagte Lorenz und seine drei Tanten vor einer besonderen Herausforderung. Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro beerdigt werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Panda von Wien Liesing bis zum Balkan. Auf der 1029 Kilometer langen Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander.


Eine herrliche Erzählung voller Witz, Verve und Herzenswärme. Lustig und skurril, sehr lesenswert.

Graham Norton - Eine irische Familiengeschichte

Nach langen Jahren kehrt Elizabeth Keane aus New York in ihre irische Heimat zurück. Ihre Mutter ist gestorben, und sie muss den Haushalt auflösen. Gerne ist sie nicht in dem kleinen Ort, der sie schon immer fast erstickt hat. Auch ihrer Mutter ging es damals so, sie ist zu einem Mann geflüchtet, den nie einer zu sehen bekam. Bis sie mit einem Kind im Arm zurückgekehrt ist.


Als Elisabeth in den Hinterlassenschaften ihrer Mutter ein Bündel Briefe findet, ist sie zutiefst schockiert über die Wahrheit, die dort zutage tritt. Sehr spannende Geschichte. Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen.

Doris Knecht - weg

Ein Gefühlskrimi mit Figuren, in deren Schwächen und Ängsten wir uns alle wiederkennen. Knecht legt die Wunde in die Scheinheiligkeiten, wirft einen Blick auf den Alptraum einer jeden Mutter, lässt die Helden und Heldinnen verzweifeln, weitermachen, Grenzen sprengen. Und dann dieses Ende! Ein großartiges, „krawalliges“ (Brigitte) Buch!

Dolores Redondo - Alles was ich dir geben will

Als die Polizei bei ihm klopft und von Alvaros Unfalltod berichtet, bricht für Manuel die Welt zusammen. Schnell eilt der Schriftsteller an den Ort des Unglücks und erfährt dort nicht nur eine überraschende Neuigkeit aus dem Leben seines Mannes. Vor der traumhaften Landschaft Galiciens blättert Dolores Redondo in einem Familienalbum voller Geheimnisse und als Leser folgt man ihr ungeduldig auf der Suche nach der Wahrheit.

Tatiana de Rosnay - Fünf Tage in Paris

Eine Familie im Ausnahmezustand und das im verregneten Paris. Sintflutartig ergießen sich seit Tagen heftige Regenfälle über die Stadt der Liebe und alle Pläne der Familie Malegarde schwimmen buchstäblich davon. Zum 70. Geburtstag des Vaters sind beide Kinder angereist und freuen sich auf das Wochenende mit den Eltern. Doch dann kommt alles anders und jeder der vier Familienmitglieder muss sich seiner ganz eigenen Geschichte stellen.

Maxim Leo - Wo wir zu Hause sind

Maxim Leo erzählt die Geschichte seiner jüdischen Familie, die auf der Flucht von den Nazis in alle Winde zerstreut wurde und deren Enkel zurückfinden nach Berlin, in die Heimat ihrer Vorfahren. Spannende Geschichten bekommen wir zu lesen, zum Beispiel die von Irmgard und Hans, zwei Berliner Jura-Studenten, die 1934 ins gelobte Land auswanderten, um dort in einem Kibbuz zu leben. Oder Hilde, die als alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn nach London ging, um dort Millionärin zu werden oder die von Ilse, die in Frankreich lebte und sich selbst im Internierungslager nicht unterkriegen ließ.


Eine packende Familiengeschichte, spannend und herzergreifend.

Jocelyne Saucier - Niemals ohne sie

Die Cardinals mit ihren 21 Kindern leben von der Suche nach Erz und andern Schätzen der Erde, irgendwo in Kanada. Verschiedene Geschwister wagen einen Rückblick auf die Kindheit und Jugend, als sich alle in einem Hotel treffen. Alle Kinder knabbern an der Familiengeschichte, leiden unter einem tragischen Ereignis. Die Cardinals haben sich in alle Winde zerstreut, niemand hat das Glück gefunden. Es scheint an der Unfähigkeit zu liegen, das Glück überhaupt in Betracht zu ziehen. Woran liegt es?


Ein faszinierendes Buch über Familie und die Versuche, mit der eigenen Herkunft Frieden zu schließen.

Fein, leise und intensiv.

Raffaella Romagnolo - Bella Ciao

iulia Masca kehrt nach fast fünfzig Jahren 1946 in die Stadt ihrer Kindheit in Piemont zurück. Italien erholt sich mühsam von den Gräueln des zweiten Weltkriegs, der quer durch Familien seine Spuren hinterlässt. Giulia sucht und findet die Stätten und Personen ihrer Vergangenheit und stellt sich unerschrocken ihrer eigenen Biographie.


Ein Roman mit einem unverwechselbaren Sound voller Melancholie und Zuversicht, eine Ode an Freundschaft und Liebe und ein Blick auf das, was Schicksal mit Menschen macht. Was für eine großartige Erzählerin!