Lesetipps

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Heike Duken: Denn Familie sind wir trotzdem


Was für eine Geschichte! Gerd und Paul werden von ihren Eltern beim Onkel zurückgelassen. Albert Duken ist Kapitän und seine Frau Jane, die er in England kennengelernt hat begleitet ihn auf seinen Reisen rund um die Erde. Dass die beiden Jungen eine furchtbare Zeit erleben und mit Gewalt und Terror zu guten deutschen Soldaten erzogen werden, erfahren die Eltern erst viel später.

Heike Duken spannt einen großen Bogen bis zu Ina und Floh, die Paul noch einmal zeigen, wie wichtig Familie ist.

Ein Buch, das man nicht aus der Hand legt

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Juli Zeh – Über Menschen


Nach Unter Leuten kommt Über Menschen, so hat es Juli Zeh in einem Interview mit Dennis Scheck erzählt. Sie greift das Thema der Pandemie auf. Unsere Protagonistin Dora hat die Nase voll von ihrem gut situierten Dasein, erfolgreiche Werberin, gemeinsame Wohnung mit ihrem Freund Robert, der sich im Corona Lockdown zu einem Kontrollfreak entwickelt hat. Sie kauft ein altes Gutshaus in der Provinz Brandenburg, in einem beschaulichen Örtchen namens Bracken. Dort trifft sie auf sehr schräge Gestalten, allen voran ihr Nachbar, der sich vorstellt mit der Bemerkung: „Ich bin hier der Dorfnazi“.

Zuerst sind alle misstrauisch gegenüber der Städterin, doch mit der Zeit entwickelt sich da ein gutes Verständnis füreinander und ein Menge Spaß. Sehr kritisch und doch humorvoll, das sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

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Andreas Götz - Die Nachtigall singt nicht mehr


Karl Wieners ist wieder da und gemeinsam mit Magda und Ludwig Gruber ermittelt der Journalist im München der 50er Jahre. Die Jahre des Aufbaus und Schwarzhandels sind vorbei, jetzt wird die Szene beherrscht von Spionen, Emigranten und Schleußern.

Und auch Blohm mischt wieder mit, der Widersacher aus dem ersten Fall. Wie wird sich Magda entscheiden, die in Saus und Braus an seiner Seite lebt, aber ihr Herz doch anders vergeben hat.

Ein besonderer Krimi mit dem Blick für die Schwachen.

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Manuela Golz – Sturmvögel


1907 wird auf einer kleinen Nordseeinsel das Mädchen Emmy geboren. Emmys Kindheit ist geprägt von Ebbe und Flut und von ihrer verbitterten Großmutter, die Schulbildung für Mädchen für überflüssig hält. Mit 14 wird Emmy von ihren Geschwistern getrennt und als Dienstmädchen nach Berlin geschickt. Dort lernt sie Hauke, einen Sohn aus reicher Familie kennen, der sie in das Nachtleben einführt, und von dem sie auch so einiges „Andere“ lernt. 3 Kinder gehen aus dieser Liaison hervor, die Emmy im Laufe des 2. Weltkrieges alleine großziehen muß.

Als Emmy schon im reifen Alter von 86 ist, entdecken ihre Kinder auf dem Dachboden geheime Unterlagen, die sie vermuten lassen, dass ihre Mutter doch nicht das naive Mädchen von der Küste war, für das sie alle gehalten haben. Ein sehr schönes Porträt über das bewegte 20. Jahrhundert, der optimale Schmöker für den nächsten Urlaub.

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Maren Wurster – Papa stirbt, Mama auch


Dieser Titel verbirgt nichts.

Eine Tochter findet sich wieder im Spagat zwischen der Mutter, die bereits einige Zeit im Pflegeheim lebt und dem Vater, der auf der Intensivstation mit dem Tod ringt.

Maren Wurster gelingt es das sehr persönliche Abschiednehmen von den Eltern in eine literarische Form zu bringen, die unbedingt lesenswert ist. Schon lange versinkt die Mutter in einer Demenz und ist für die Fragen der Tochter unerreichbar. Die Alkoholkrankheit des Vaters hat wiederum die ganze Kindheit geprägt. Und doch erkennt die Tochter in diesen letzten Tagen ihre Eltern als Paar und sieht, was sie einander bedeutet haben.

Ein leises, ein wichtiges Buch.

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Ulrich Woelk - Für ein Leben


Ein dicker Wälzer, aber überhaupt nicht langweilig zu lesen.

Eingebettet in die Geschichte von Niki und Lu, zwei lesbischen Freundinnen und ihren Familien, erzählt Ulrich Woelk in diesem fesselnden, episodenreichen und weitgefächerten Roman nicht nur eine deutsche Geschichte der letzten 50 Jahre und die sehr unterschiedlicher Lebensentwürfe, er zeichnet auch ein atemberaubendes Bild von der Verschlungenheit des Lebens, wie manchmal kleine Zufälle ausreichen, dass das Leben eine ganz andere Wendung nimmt als ursprünglich geplant.

Lassen Sie sich darauf ein, und erleben Sie auf 650 Seiten ein großes Leseabenteuer

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Stefan Hornbach – Den Hund überleben


Sebastian sollte überall sein, aber nicht in seinem alten Kinderzimmer in diesem Neubaugebiet irgendwo in Deutschland. Eigentlich sollte er studieren, mit seiner besten Freundin Su zusammen sein und andere Jungs kennenlernen, denn Sebastian ist schwul. Doch dann kommt die Diagnose Krebs, drei faustgroße Tumore in seinem Körper. Die Chemotherapie muss so schnell wie möglich beginnen, und so zieht er wieder zu Hause bei seinen Eltern ein. Aber Sebastian ist ein Kämpfer, sein Ziel ist es, den Hund seiner Eltern zu überleben, der schon ein alter Herr ist.

Am Ende dieser Reise wartet nicht das Leben und auch nicht der Tod, denn das wäre zu einfach. Ein wunderbarer und einfühlsamer Roman mit einem tapferen und mutigen Protagonisten, der einen trotz des traurigen Themas immer wieder zum Lachen bringt.

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Daniela Krien - Der Brand


Eigentlich freuen sich Rahel und Peter auf einen Urlaub in den Bergen. Die Hütte ist gesucht und gefunden, die Touren geplant und die Koffer gepackt. Da kommt die Nachricht, dass es einen Brand im Urlaubsziel gegeben hat natürlich sehr ungelegen. Was tun mit den Urlaubswochen?

Da erreicht ein familiärer Hilferuf die beiden und sie verbringen lange Tage und Wochen in der Einsamkeit der Uckermark mit der Pflege von Haus und Tieren. Als Paar stellen sie sich der Aufgabe und dabei aber immer mehr fest, wie weit sie sich voneinander entfernt haben.

Gibt es noch einen Weg zurück oder reichen die Gefühle füreinander nicht mehr aus?

Daniela Krien steht am Rande und beobachtet ihre Personen mit einem liebevollen, aber auch schonungslosen Blick. Sie schreibt sich immer weiter in das Herz ihrer LeserInnen.

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Tessa Korber – Alte Freundinnen


Als Studentinnen haben sie sich kennengelernt und seitdem nicht mehr aus den Augen verloren. Immer wieder finden sie zusammen, teilen Freud und Leid miteinander und träumen den gemeinsamen Traum einer WG im Alter.

Als eine von Ihnen ein Haus auf dem Land erbt, kann dieser Traum Realität werden und alle vier stürzen sich Hals über Kopf in dieses Abenteuer.

Natürlich gibt es die eine oder andere Schwierigkeit und nicht jede Idee kann umgesetzt werden, aber irgendwann findet sich jede in ihrem eigenen, neuen Zimmer wieder. Und dann kann das Zusammenleben beginnen, das von jeder einiges abverlangen wird.

Ein heiterer, aber nicht doofer Roman über Lebensentwürfe.

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J. Courtney Sullivan – Fremde Freundin


Elisabeth zieht nach zwanzig Jahren New York City mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn aufs Land. Doch sie langweilt sich, und ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, sich mit anderen Müttern in diversen Internetforen auszutauschen. Doch eigentlich möchte sie in ihren Beruf zurück und engagiert eine Babysitterin. Sam studiert Kunst, kommt aus einfachen Verhältnissen, hat sich eben erst in Clive verliebt und entdeckt gerade ihre klassenkämpferische Seite. Die beiden ungleichen Frauen werden aus Mangel an Alternativen Freundinnen, aber kann das gut gehen?

J. Courtney Sullivan erzählt diese ungewöhnliche Beziehungsgeschichte so einfühlsam, spannend und komisch, dass man sie nicht mehr aus der Hand legen möchte.

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Matt Haig – Evie und die Macht der Tiere


Evie hat eine besondere Gabe: die kann Tiere denken hören. Doch das darf niemand wissen, sonst kann es gefährlich werden, sagt ihr Vater. Aber wer könnte an einem Hasen in einem viel zu kleinen Käfig vorbei gehen ohne ihm zu helfen? Vor allem wenn man dabei dessen traurige Gedanken hören kann. Plötzlich läuft alles schief, die Tiere benehmen sich irgendwie komisch und Evie weiß nicht, ob sie vor der Gefahr weglaufen soll oder nicht. Ein wunderschönes Buch über Freundschaft, Tierschutz und ganz aktuell der Klimawandel.

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Alina Bronsky – Barbara stirbt nicht


Walter Schmidt ist ein Mann der alten Schule: Er hat die Rente erreicht, ohne zu wissen wie man eine Tütensuppe zubereitet, und ohne jemals einen Staubsauger bedient zu haben. Schließlich war da immer seine Ehefrau Barbara. Doch die steht eines Morgens nicht mehr auf. Von da an ist alles anders. Jetzt muss er alles selbst erledigen und merkt nun, um wie viele Dinge sich seine Frau gekümmert hat. Dieser Roman ist das urkomische Porträt einer Ehe, deren jahrzehntelange Routinen mit einem Schlag außer Kraft gesetzt werden, und eine berührende Geschichte über die Chancen eines unfreiwilligen Neuanfangs.

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Freya Sampson – Die letzte Bibliothek der Welt


Die schüchterne June Jones lebt in dem kleinen britischen Dorf Chalcot und ist mit Leib und Seele Bibliothekarin wie auch ihre Mutter. Als diese an Krebs stirbt, zieht sich June sehr zurück und versteckt sich hinter ihren heißgeliebten Büchern. Doch in ihrer Bibliothek findet sie Freunde, auch Außenseiter wie sie einer ist. Als die Bibliothek geschlossen werden soll bildet sich ein Komitee für deren Erhalt, in dem June sich leidenschaftlich engagiert. Dann verliebt sie sich auch noch in einen ehemaligen Schulkameraden, und plötzlich ist die Welt wieder in Ordnung.

Ein wunderbarer liebevoller Roman über Freundschaft, die Liebe zu Büchern und wie wichtig Gemeinschaft ist.

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Sandro Veronesi – Der Kolibri


Ein Schock, der heftigste in einem von Schocks reichem Leben. Vom Psychoanalytiker seiner Frau erfährt der Augenarzt Marco Carrera, dass sie ihn wegen eines deutschen Piloten verlassen werde, von dem sie schwanger ist. So fängt die Geschichte an. Wir bewegen uns dann auf verschiedenen Zeitebenen durch das von Schicksalsschlägen, aber auch Glücksmomenten geprägte Leben dieses Marco Carrera.

Sein Leben ist wirklich eine Achterbahnfahrt, angefangen bei seiner Kindheit, Verlust der Schwester, unerfüllte Liebe, früher Tod der Eltern bis zum Verlassenwerden durch seine Frau, aber sehr großes Glück durch eine enge Beziehung zu seiner Tochter und später auch deren Tochter, die Enkelin. Ein Buch das erfüllt ist von Poesie und Sprachgewaltigkeit, ein großartiges Leseerlebnis, das Sie nicht versäumen sollten.

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Ingo Bott – Pirlo – Gegen alle Regeln


Pirlo – Gegen alle Regeln ist der Auftakt einer Serie mit Anton Pirlo und Sophie Mahler vom Strafverteidiger Ingo Bott. Pirlo ist ein erfolgreicher Strafverteidiger, doch durch eine fiese Intrige verliert er seinen Job in einer angesehenen Anwaltskanzlei. Sophie Mahler ist eine junge Anwältin, und zusammen machen sich die beiden selbständig. An Pirlo wird ein Mandat herangetragen. Er soll eine attraktive Frau verteidigen, die ihren Mann ermordet haben soll. Schwierig, weil alle Indizien gegen sie sprechen.

Pirlo muss den Fall unbedingt lösen, weil er Geld braucht für seine Brüder, die in Schwierigkeiten stecken. Eigentlich möchte er seine Zugehörigkeit zu dem Khatib-Clan verstecken, doch das ist schwierig. Pirlo steht mit dem Rücken zur Wand. Er braucht einen Freispruch und muss dafür Wege gehen, die er nie gehen wollte. Eine super Story, ich hoffe sehr, dass die Serie bald weitergeht.

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Christof Gasser – Wenn die Schatten sterben


Becky Kolberg, eine junge Frau aus Deutschland, zieht um in die Schweiz, um auf dem herrschaftlichen Anwesen ihrer Großeltern, die inzwischen verstorben sind, zu leben. Als bei Renovierungsarbeiten die Leiche einer jungen Frau entdeckt wird, die nicht eines natürlichen Todes gestorben ist, lässt Becky das Schicksal dieser jungen Frau nicht mehr los. Sie findet heraus, dass die junge Frau in einer Waffenfabrik am Ort gearbeitet hat, die den Nationalsozialisten gehörte. Becky stösst auf Tagebücher dieser jungen Frau, die in jener Zeit geführt wurden als die Schweiz vom Faschismus umzingelt war. Eine sehr spannende Geschichte, die einen nicht mehr loslässt.

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Kathy Page – Alphabet


Seine Kindheit und Jugend hat Simon in Heimen und bei Pflegefamilien verbracht. Nun sitzt er wegen Mordes an seiner Freundin lebenslänglich in einem Hochsicherheitsgefängnis. Hier beginnt er verschiedene Brieffreundschaften mit unterschiedlichen Frauen. Eigentlich ist das nicht erlaubt, doch Simon ist unheimlich wissbegierig und sehr intelligent. Das finden die Aufseher schnell heraus und versuchen daher, ihm verschiedene Möglichkeiten zu bieten, sich weiterzubilden.

Das Leben im Gefängnis ist in diesem Roman so anschaulich geschildert, die Autorin war wohl selbst eine Zeitlang in einem Männergefängnis als Aufseherin tätig. Wir lernen die verschiedensten schrägen Charaktere kennen, die uns mit der Zeit ans Herz wachsen. Das ist mal ein ganz anderes Genre von Roman, das man sich auch nicht entgehen lassen sollte.

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Douglas Stuart – Shuggie Bain


Shuggie Bain heißt eigentlich mit richtigem Namen Hugo. Er lebt mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern in Glasgow während der Thatcher Ära. Die Menschen in seiner Umgebung sind bettelarm und kämpfen jeden Tag ums Überleben. Seine Mutter ist bildschön, im Buch wird sie mit Elizabeth Taylor verglichen, aber gerät immer an die falschen Männer. Als sie von ihrem zweiten Mann, dem Taxifahrer und Vater von Shuggie, auch wieder sitzengelassen wird, verfällt sie völlig dem Alkohol. Von nun hat es sich dieser kleine zehnjährige Junge zu seiner Aufgabe gemacht, seine Mutter vor dem völligen Absturz zu retten. Ein schwieriges Unterfangen.

Auch der Autor dieses Buches ist in Glasgow aufgewachsen, und das Buch enthält wohl auch autobiografische Züge. Ein sehr eindrücklicher, trauriger und nachdenklich machender Roman, der aber auch viele lustige Geschichten enthält.

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Moritz Rinke – Der längste Tag im Leben des Pedro Fernandez Garcia


Perdro Fernandez Garcia ist Postbote auf Lanzarote. Leider hat er gar nicht mehr so viel zu tun in Zeiten des Internets. Es werden immer weniger Briefe geschrieben. Das ärgert seine Frau, die in einem Hotel arbeitet und sehr beschäftigt ist. Sie hält es mit ihrem langweiligen Mann nicht mehr aus, schnappt sich den gemeinsamen Sohn Miguel und zieht nach Barcelona. Pedro hängt ab mit seinem Freund Tenaro, ehemaliger Fischer, der irgendwie auch nicht mehr so viel zu tun hat.

Gemeinsam beschließen die beiden, nach Barcelona zu fahren und Miguel zurückzuholen. Was für ein Abenteuer. Dieser Roman ist ein Meisterwerk der Erzählkunst und eine wunderbare Hommage an die Insel Lanzarote.

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Anne Stern – Meine Freundin Lotte


Berlin 1921: Lotte Laserstein will Malerin werden. Doch in einer männerdominierten Welt ist es schwierig, Fuß zu fassen. Umso glücklicher ist sie, als sie an der Kunstakademie angenommen wird und dort die Malerei erlernen darf. Das Leben ist geprägt von Armut und Entbehrungen und trotzdem ist Lotte überglücklich, ihre heißgeliebte Malerei ausüben zu dürfen. In der jungen Fotografin Traute findet sie eine ganz besondere Seelenverwandte und das perfekte Modell. Eine ganz besondere Beziehung entsteht, doch leider wird die Situation in Deutschland immer unerträglicher und Lotte flieht nach Schweden.

Jahre später begegnen wir ihr hier in Kalmar, einem kleinen Ort in Schweden wieder. Traute besucht sie hier mit ihrem Ehemann Ernst, doch Vorwürfe und Missklang herrschen zwischen den beiden.

Eine sehr schöne Künstlerbiografie über eine Künstlerin die ich bisher noch nicht kannte.

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Colson Whitehead – Harlem Shuffle


Colson Whitehead ist uns schon bekannt. Ein amerikanischer Autor, der sich sehr mit der Geschichte der schwarzen Minderheit in Amerika beschäftigt und darüber schon einige Romane geschrieben hat. In diesem Roman tauchen wir ein ins Harlem der 60er Jahre, wo Gangster und Zuhälter, Hochstapler und Schießwütige die Strippen ziehen. Inmitten dieses Milieus versucht Ray Carney, ein Mann aus einfachen Verhältnissen, auf ehrliche Weise sein Geld zu verdienen. Doch als seine Frau ein zweites Kind erwartet, reichen die Einkünfte aus einem Einrichtungsladen nicht für den Lebensstandard, den auch seine bürgerlichen Schwiegereltern für ihre Tochter erwarten, aus. So gerät er in einen Strudel von kriminellen Machenschaften, in dem er gelegentlich mit Hehlerware handelt.

Ein sehr spannender und farbenprächtiger Gangsterroman mit einem liebenswerten aber ungeschickten Protagonisten. Die Ereignisse sind so anschaulich beschrieben, dass man das Gefühl hat, selbst mitten in Harlem zu sein.

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Angela Lehner – 2001


Wir befinden uns im Jahr 2001 in einer österreichischen Provinz in einem verlassenen Tal. Die Berge sind schroff, die Touristen unersättlich, die Jugendlichen auf der Suche nach Abenteuern und Alkohol und die Eltern meistens abwesend. Eine Zukunft hat hier keiner so richtig, am allerwenigsten Julia, die auf die Hauptschule geht und von den Lehrern zärtlich als „Restmüll“ tituliert wird. Sie hängt mit ihrer Clique, der sogenannten Crew, ab, schlägt sich zusammen mit ihrem Bruder durchs Leben und hat auf nichts so richtig Lust.

Bis ihr Klassenlehrer ein spannendes Experiment wagt, um die Schüler aus ihrer Lethargie zu holen. Ob es gelingen wird oder nicht lesen Sie in diesem interessanten Erstlingswerk einer jungen österreichischen Autorin.

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Barbara Kunrath – Wir für uns


Josie ist schwanger von Bengt, der schon eine Familie hat und kein Kind mehr möchte. Kathi ist plötzlich allein, nachdem ihr Mann Werner gestorben ist, nach 50 Jahren gemeinsamen Lebens. Ihr einziger Sohn ist ihr fremd geworden. Beide haben so vieles auf „später“ verschoben und fragen sich jetzt, wie ihr Leben weitergehen soll.

Die beiden Frauen kennen sich am Anfang nicht und begegnen sich zufällig auf dem Friedhof. Zuerst mögen sie sich nicht, zumal ja auch ein großer Altersunterschied zwischen ihnen besteht. Doch dann lernen sie sich kennen und merken, dass sie einander guttun. Sie bestärken sich gegenseitig darin, ihre stets unerfüllten Pläne zu verwirklichen, und plötzlich füllen sich beider Leben mit neuen Menschen und fröhlichen Ereignissen. Was für ein schönes Buch über Freundschaften und Beziehungen. Ein leichter Roman für genüssliche Lesestunden auf dem Balkon oder im Winter vor dem Kamin.

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C Pam Zhang – Wieviel von diesen Hügeln ist Gold


C Pam Zhang, die Autorin, treibt die gleiche Sehnsucht um wie ihre Figuren Lucy und Sam: die Sehnsucht nach einem Zuhause in einem Land, das nicht ihres ist. Lucy und Sam befinden sich auf der Flucht durch die amerikanische Prärie. Sie sind Waisenkinder und bettelarm. Ihre Mutter ist schon länger tot, und nun ist der Vater auch noch gestorben. Seine Leiche haben sie über einen Esel gehängt auf der Suche nach einem geeigneten Grab.

Als Goldgräber kamen die Eltern nach Amerika, doch es hat ihnen kein Glück gebracht. Wird es den beiden Geschwistern gelingen, eine neue Bleibe zu finden? Sie müssen sich mit allerlei Widrigkeiten auseinandersetzen. Eine Herausforderung.

Das ist ein sehr schöner Debütroman einer jungen Chinesin, Tochter chinesischer Einwanderer in Amerika. Mir hat es erst beim zweiten Anlauf gefallen, dafür dann aber umso mehr gefesselt.

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J. Ryan Stradal – Die Bierkönigin von Minnesota


Helen träumt schon als junge Frau davon, ihr eigenes Bier zu brauen. Als sie die Chance erhält, eine Brauerei zu erwerben, schwatzt sie ihrem Vater die Farm ab, um die Brauerei kaufen zu können. Ihre Schwester Edith geht leer aus. Seit diesem Zeitpunkt sind die beiden Schwestern zerstritten. Helen wird reich und erlangt großes Ansehen, während Edith immer gerade so über die Runden kommt. Doch dann interessiert sich ihre Enkelin Diana auch für Biere und erwirbt eine eigene Brauerei, und das Blatt wendet sich.

Für alle, die sich für Bier interessieren oder es auch gerne trinken, ist dies ein sehr schöner und unterhaltsamer Roman.

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Louise Erdrich – Der Nachtwächter


Louise Erdrich wurde für dieses Buch mit dem Pulitzerpreis 2021 ausgezeichnet. Sie hat eine indianische Mutter, und von dem Leben der Ureinwohner Amerikas handeln auch meistens ihre Bücher. In diesem Roman hat sie sich an die Lebensgeschichte ihres Großvaters angelehnt, der sich sehr für die Rechte der indianischen Bevölkerung eingesetzt hat. Zunächst drängte man sie in ein Reservat, und sie bekamen Unterstützung von der Regierung, doch dann wollte man sie umsiedeln, damit sie irgendwo in Städten unterkommen sollten, was sie gar nicht gewohnt waren.

Er selbst war Nachtwächter in einer Sicherheitsfirma, ist aber immer wieder nach Washington gegangen, um sich für seines Stammesgenossen einzusetzen. Die Charaktere, die im Roman vorkommen, lassen einen nicht mehr los. Elegant, humorvoll und emotional mitreißend führt Louise Erdrich vor, warum sie zu den bedeutendsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart gezählt wird.