Lesetipps

Johan Harstad - Max, Mischa & die Tet-Offensive


Wenn Sie noch ein „Leseprojekt“ für ihren Urlaub brauchen, ist dieses Buch genau das Richtige für Sie. Ein opulentes literarisches Werk. Der Hauptprotagonist ist Max, ein junger Norweger, der eine glückliche Kindheit in Norwegen erlebt, wobei der Vietnam-Krieg und die Tet-Offensive eine wichtige Rolle spielen, dann nach New York zieht. Sein Freund Mordecai wird Schauspieler, er selbst Theaterregisseur, hinzu kommt Mischa, seine erste große Liebe, die Künstlerin ist und viel älter als er und sein Onkel Owen, zu dem niemand aus der Familie mehr Kontakt hat. Er ist Musiker und war im Vietnam Krieg.

Um diese Hauptdarsteller dreht sich der ganze Roman auf 1 200 Seiten, aber ich verspreche Ihnen, es wird nicht langweilig. Für alle, die die Künstlerszene lieben.

Ian McEwan - Maschinen wie ich


Ein neuer großartiger Roman von Ian McEwan

 

Die Geschichte spielt in den 80er Jahren in England, der Falkland Krieg ist gerade in vollem Gange. Charlie, ein junger Lebenskünstler, der alleine lebt, schafft sich einen Roboter an, Adam. Doch Adam entwickelt ein Eigenleben, was Charlie gar nicht gefällt. Gleichzeitig verliebt er sich auch noch in seine Nachbarin Miranda, doch auch der Roboter hat ein Auge auf sie geworfen.

Eigenglich hatte Charlie sich das anders vorgestellt. Er wollte einen Helfer, einen Freund, einen interessanten Gesprächspartner und keinen Konkurrenten. Eine witzige und ironische Satire im Zeitalter, in dem viele Menschen alleine leben und wir uns ständig von künstlicher Intelligenz bedroht fühlen müssen.

Anke Stelling - Schäfchen im Trockenen


Schäfchen im Trockenen ist der beste deutschsprachige Roman des Frühjahrs und erhält den Preis der Leipziger Buchmesse. Zur Begründung sagt die Jury:

Schäfchen im Trockenen“ ist ein scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss, der protestiert gegen den beständigen Versuch des besänftigt Werdens, der etwas aufreißt in unserem sicher geglaubten Selbstverständnis und dadurch den Kopf frei macht zum hoffentlich klareren Denken.

Auch wir bei Buch im Süden sind dieser Meinung und haben die Autorin am 19. September zu Gast. Erleben Sie selbst mit welcher Präzision Anke Stelling ihre Figuren agieren lässt und wie anstrengend es sein kann, immer bei sich zu bleiben.

Maria Duenas - Eine eigene Zukunft


New York, 1936: In der Hauptstadt der Welt sollen Victoria, Mona und Luz, die aus der andalusischen Provinz stammen, ihren Vater bei der Arbeit im Restaurant unterstützen. Doch als dieser unerwartet ums Leben kommt, brauchen die drei Schwestern dringend einen Plan, um sich über Wasser zu halten: Kurzerhand verwandeln sie das Lokal in einen Nachtklub …

Mit „Eine eigene Zukunft“ hat die spanische Autorin María Dueñas einen ergreifenden Schwesternroman geschrieben – ein Buch über den Zusammenhalt der Familie, die Kraft der ersten großen Gefühle und über drei starke Frauen, die für ihren Platz in der Welt kämpfen.

Duenas beherrscht die Kunst des Fabulierens.

Doris Knecht - weg


Ein Gefühlskrimi mit Figuren, in deren Schwächen und Ängsten wir uns alle wiederkennen. Knecht legt die Wunde in die Scheinheiligkeiten, wirft einen Blick auf den Alptraum einer jeden Mutter, lässt die Helden und Heldinnen verzweifeln, weitermachen, Grenzen sprengen. Und dann dieses Ende!
 

Ein großartiges, „krawalliges“ (Brigitte) Buch!

Raffaella Romagnolo - Bella Ciao


Giulia Masca kehrt nach fast fünfzig Jahren 1946 in die Stadt ihrer Kindheit in Piemont zurück.  Italien erholt sich mühsam von den Gräueln des zweiten Weltkriegs, der quer durch Familien seine Spuren hinterlässt. Giulia sucht und findet die Stätten und Personen ihrer Vergangenheit und stellt sich unerschrocken ihrer eigenen Biographie.

Ein Roman mit einem unverwechselbaren Sound voller Melancholie und Zuversicht, eine Ode an Freundschaft und Liebe und ein Blick auf das, was Schicksal mit Menschen macht. Was für eine großartige Erzählerin!

Gabriele Tergit - Die Effingers


Die Effingers aus Kragsheim aus Süddeutschland sind gemeinsam mit den Oppners auf Berlin über vier Generationen hinweg die Hautpersonen dieses großartigen Romans von Gabriele Tergit.

Gutsituierte gebildete Bürger, die ihre Söhne in den ersten Weltkrieg schicken und im Berlin der Jahrhundertwende jeden Schicksalsschlag mit Haltung ertragen. Es wird gelebt, geliebt, gefeierte und geglaubt und keiner kann sich vorstellen, dass der aufkommende Nationalsozialismus diesem Lebensgefühl ein Ende bereiten wird.  Über 900 Seiten lässt sich die Autorin Zeit für eine beeindruckende Chronik einer versunkenen Welt.

Alexander Osang - Die Leben der Elena Silber


Alexander Osang, Journalist für den Spiegel, der für seine Reportagen schon mehrere Preise erhielt, erzählt uns die Geschichte seiner Familie.

Sie beginnt in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In einer kleinen Provinzstadt wird der Revolutionär Viktor Krasnow hingerichtet. Es ist der Augenblick, der das Leben seiner Tochter Elena für immer verändert. Sie verlässt ihre Heimat, heiratet einen deutschen Ingenieur und folgt ihm 1936 nach Berlin. Aber dann verschwindet ihr Mann in den Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg, und Elena muss 4 Töchter alleine durchbringen. Als sich ihr Enkel, der Filmemacher Konstantin, nach vielen Jahren auf den Weg nach Russland macht, stellt er fest, dass die Geschichte gar nicht so war, wie sie immer erzählt wurde.

Sehr bewegend und abwechslungsreich, auch nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019.

Simone Lappert - Der Sprung


Was für ein Buch! Man blättert atemlos und kann das Buch nicht aus der Hand legen.

Wird die junge Frau, die auf dem Dach steht, springen? Wer könnte sie davon abhalten?
Sieben Menschen sind mit ihr verbunden - mehr oder weniger, schon immer oder gerade erst.
Simone Lappert wirft uns hinein in diese Leben. Sie schreibt mit einer Intensität, die einen Sog ausübt. Man ist dabei und erfährt doch viel zu wenig. Ein Buch, über das man noch lange nachdenkt.
Grandios! 

Erik Fosnes Hansen - Ein Hummerleben


Norwegen ist Gastland der Frankfurter Buchmesse

Allein wegen des wunderschönen Covers lohnt sich der Kauf dieses besonderen Roman. Aber auch sonst erweist sich der Erzähler Hansen wieder als Meister seines Fachs.

Der 13 jährige Sedd wächst im Hotel seiner Großeltern auf und ist Laufbursche, Küchenhilfe und Animateur in einem. Das Haus hat seine besten Jahre hinter sich und Sedds Großeltern wollen den Verfall lange nicht wahrhaben. Immer weniger Gäste finden den Weg in die Berge und als dann auch noch der Bankdirektor bei einem Abendessen stirbt, gerät die Idylle endgültig ins Schwanken.

Ulrich Woelk - Der Sommer meiner Mutter


Der Roman spielt im Sommer 1969, dem Jahr der Mondlandung. Eine Familie am Stadtrand von Köln, die in guten Verhältnissen lebt. Der Vater verdient das Geld für die Familie, die Mutter bleibt in alter Tradition zu Hause und kümmert sich um den Sohn Tobias, der der Mondlandung entgegenfiebert. Doch dann zieht eine neue Familie ins Nachbarhaus, die so ganz anders ist. Diese Nachbarn sind eher flippig, politisch links angehaucht und so ganz anders. Tochter Rosa bringt Tobias nicht nur Popmusik und Literatur bei, und auch die Elternpaare kommen sich wechselseitig näher.

Was zunächst ganz harmlos anfängt, nimmt einen dramatischen Verlauf. Sehr lesenswert.

Zu Recht nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019.

Alain Claude Sulzer - Unhaltbare Zustände


Ein eleganter Erzähler

Schon immer ist er der begnadete Dekorateur eines großen, eleganten Kaufhauses. Die ganze Stadt wartet darauf, dass die Hüllen von den Schaufenstern fallen und die Waren in seiner Dekoration noch schöner werden. Stettler fällt aus allen Wolken, als ihm ein junger Kollege zur Seite gestellt wird und das ist nicht die einzige Bedrohung in seiner Welt. Es ist das Jahr 1968 und auf einmal stellt die Jugend alles auf den Kopf.

Nur in seiner Verehrung für die Radiopianistin Lotte findet er etwas Ruhe und auch die Worte für seine Gefühle

Matthias Brandt - Blackbird


Als der 15jährige Morten Schumacher, genannt Motte, einen Anruf bekommt, ist in seinem Leben nichts mehr wie es einmal war. Sein bester Freund Bogi ist plötzlich sehr krank. Kurz danach fährt Jacqueline Schmiedebach vom Einstein-Gymnasium auf einem Hollandrad an ihm vorbei, und die nächste Erschütterung nimmt ihren Lauf.

Ein Roman voller komisch-tragischer Wendungen, in dem Matthias Brandt aufs Neue beweist, dass er nicht nur ein guter Schauspieler sondern auch ein hervorragender Erzähler ist.

Andreas Götz - Die im Dunkeln sieht man nicht


Zwischen Stunde Null und Wirtschaftswunder

Karl Wieners kommt nach Hause zurück, soweit man das München im Jahr 1950 als zu Hause betrachten kann. Zu viel ist geschehen in diesem grausamen Krieg und Karl kommt nur langsam wieder auf die Beine. Als ihm ein Freund einen Job in seinem alten Beruf als Journalist anbietet, kommt Karl einer unglaublichen Geschichte auf die Spur. Unterstützt von seiner Nichte Magda geraten beide in die Kreise der Schwarzmarktschieber und jagen einen Bilderschatz.

And the winner is….

Der Deutsche Buchpreis 2019 geht an Sasa Stanisic und den Roman Herkunft


In diesem Jahr lag der Schwerpunkt der Jury auf der Frage „Wo kommen wir her und was macht das mit uns“ und Sasa Stanisic legt mit seinem Roman eine Antwort vor, die einen sofort gefangen nimmt. Aus dem bosnischen Bürgerkrieg verschlägt es Sasa mit seinen Eltern nach Heidelberg und welche Zukunft auf den Jungen warten, der sich mit seinen Freunden an der ARAL Tankstelle trifft, ist mehr als ungewiss. Den Blick zurück wirft die Großmutter, an deren Hand wir die Geschichte der Familie durchwandern. Und ganz am Ende hat der Leser die Wahl – großartig!

Auf der Shortlist der Unabhängigen Buchhandlungen

Ewald Arenz - Alte Sorten


In einem Weinberg begegnen sich Sally und Liss. Sally, jung und wütend, ist auf der Flucht vor allem und jedem. Liss, ebenfalls eine Einzelgängerin, bewirtschaftet allein einen Hof. Von Anfang an spüren sie eine seltsame Verbundenheit. Bei der gemeinsamen Arbeit auf dem Hof kommen sich die beiden ungleichen Frauen näher und beginnen zunächst langsam und vorsichtig, sich ihre Lebensgeschichten zu erzählen und über Dinge zu sprechen, die sie lange in ihrem Herzen vergraben haben.

Eine sehr einfühlsame Erzählung über Verletzungen aber auch über die Bedeutung von Freundschaft. Das Besondere daran ist, dass die Geschichte von einem Mann erzählt wird.

Ulrich Tukur - Der Ursprung der Welt


Eine verrückte Geschichte

Während eines Aufenthaltes in Paris stößt der junge Deutsche Paul Goullet zufällig auf ein altes Photoalbum, dessen Bilder ihn selbst zu zeigen scheinen, inmitten eleganter Damen und Herren aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Fasziniert setzt sich Goullet auf die Fährte seines Doppelgängers und reist nach Südfrankreich. Hier stößt er auf Schweigen und Ablehnung und macht schließlich eine furchtbare Entdeckung.

Ein bißchen utopisch, ein bißchen skurril, aber sehr sehr spannend.

Helga Bürster - Luzies Erbe


Die fast hundertjährige Matriarchin Luzie Mazur hat sich Zeit gelassen mit dem Sterben. Doch nun ist sie tot und hinterlässt ihrer Familie kaum mehr als einen abgewetzten Koffer voller Erinnerungen auf dem Kleiderschrank und fast ein Jahrhundert "Mazur'sches Schweigen", das besonders ihrer Enkelin Johanne, selbst längst in ihren Fünfzigern, in den Ohren dröhnt. Es lässt ihr keine Ruhe, was damals war, als ihre junge Großmutter Luzie Krusenbusch sich in den "Fremdarbeiter" Jurek verliebt hat. Johanne will endlich mehr erfahren über Luzies große Liebe Jurek, die nicht sein durfte weil Krieg war.
 

Helga Bürster erzählt wunderbar leicht und dabei doch tief bewegend davon, wie ein Schicksal die Jahrzehnte überdauert, wie das Schweigen über die Vergangenheit eine Familie überschattet. Sie erzählt von vier Generationen starker Frauen - und davon, dass es für Versöhnung nie zu spät ist.

 

Peter Prange - Eine Familie in Deutschland – Am Ende die Hoffnung


Die Geschichte geht weiter

Es hat sich viel verändert im Wolfsburger Land. Die Zuckerfabrik der Isings ist plattgemacht worden für das Werk des KDF Wagen und die Autofabrik wächst und wächst. Während Georg bei Dr. Porsche die letzten Änderungen am Volkswagen vornimmt, errichtet Horst das KZ Arbeitslager für all die Arbeiter, die das Auto bauen sollen. Charlotte wartet auf Nachricht von Benny, der in Holland gelandet ist und auch das Schicksal aller anderen Isings nimmt seinen Lauf in den Jahren 1939-45.

Ein praller Familienroman, der unter die Haut geht

Anne Griffin - Ein Leben und eine Nacht


In einer irischen Kleinstadt sitzt Maurice Hannigan an einer Hotelbar und blickt zurück auf sein Leben. Er erhebt sein Glas auf all die Menschen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. Jedem einzelnen ist ein „Prosit“ und ein Kapitel gewidmet.  Das ist herzerwärmend und tieftraurig zugleich. Man kann so richtig eintauchen in diese zauberhafte Geschichte.

Thomas Meyer - Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin


Yuhu, die Geschichte von Motti Wolkenbruch geht weiter

Er hat mit allem abgeschlossen. Mordecai Wolkenbruch, genannt Motti, hatte sich mit einer Nichtjüdin eingelassen, woraufhin seine orthodoxe Familien ihn verstieß. Frustriert hockt er nun ohne Kippa und Bart in einem Hotel in Zürich. Da klopft ein Retter an- und Motti landet in einem Kibbuz in Israel, der sich als Geheimbund herausstellt mit dem Ziel der Weltherrschaft. Unterdessen strebt eine Nazigruppe, die in einer Berghöhle in Bayern haust, ebenfalls die globale Macht an.

Und Motti gerät in seiner Naivität mal wieder mitten zwischen die Fronten. Zum Schreien komisch.

J.L. Carr - Die Lehren des Schuldirektors George Harpole


Endlich der nächste Carr! Wie die anderen Bücher rührend, heiter, lustig, spannend, originell und so besonders. Hier erhalten wir einen vergnüglichen und entlarvenden Einblick in das Schulsystem und seine Tücken und Fallstricke, in die ein  Schuldirektor auf Zeit unbedarft fällt. Auch wenn er stolpert, so fällt er doch nie.
Ein Roman in Briefen, Protokollen, Tagebucheinträgen und Kommentaren.

Dror Mishani - Drei


Eine Frau sucht ein wenig Trost, nachdem ihr Mann sie und ihren Sohn verlassen hat. Eine zweite Frau sucht nach einem Zuhause und nach einem Zeichen von Gott, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Eine dritte Frau sucht etwas ganz Anderes. Sie alle finden denselben Mann auf einem Portal im Internet. Wer ist der geheimnisvolle Mann, der allen die Augen verdreht?

Ein packender und spannender Psychothriller mit einem sehr überraschenden Ende.

Brigitte Riebe - Die Schwestern vom Ku´damm – wunderbare Zeiten


Sie geht weiter die Geschichte des Kaufhauses am Kurfürstendamm

Brigitte Riebe erzählt die Lebensgeschichte dreier Schwestern und Ihres Erbes, dem Kaufhaus Thalheim. Während für Schwester Rike das Kaufhaus am Kuh´damm an erster Stelle steht, erleben wir hier die Geschichte aus der Sicht von Schwester Sylvie, die das Leben nach den dunklen Zeiten des Krieges in vollen Zügen genießen will. Sie möchte eigentlich lieber Karriere als Rundfunkredakteurin beim RIAS machen.

Doch als es wieder einmal Probleme mit dem Modehaus gibt, muss sie ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen und ihren Schwestern zu Hilfe eilen.

Unbedingt lesen

Delia Owens - Der Gesang der Flusskrebse


Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt, das verzaubert, aufregt und intensiv berührt. Es ist ein Loblied auf die Natur und die Landschaft, wir lesen einen Krimi, eine Liebesgeschichte und ein Buch über Einsamkeit und eine Kindheit.
Kya lebt in einer verwahrlosten Hütte, als Buschgesindel. Die Mutter verlässt die Familie, als sie 6 Jahre alt ist, dann gehen die Geschwister und auch der Vater kommt bald nicht mehr zurück. Sie wächst alleine auf, schlägt sich durch. Allein diese Geschichte eines Mädchens reicht für ein Buch. Als sie erwachsen ist, von den meisten im Dorf gemieden, wird Chase tot gefunden. Eigentlich kann nur sie die Täterin sein…

Atemberaubende Sprache, eindringliche Figuren. Sicher nicht nur unser Lieblingsbuch des Herbstes.

Martyna Bunda - Das Glück der kalten Jahre


Ob ihr Mann das Meer gesehen hat, bevor er 1932 auf der Großbaustelle der Hafenstadt Gdingen tödlich verunglückte, wird Rozela nie erfahren. Von der staatlichen Entschädigung baut sie für sich und die drei Töchter ein Steinhaus mit Doppelfenstern, im kaschubischen Dorf eine Sensation. Dort überstehen sie die Schrecken des Krieges. Als die sowjetische Armee gen Westen zieht, bietet das Haus keinen Schutz mehr. Im Keller versteckt, muss Gerta, die älteste, mit anhören, wie ihre Mutter von Soldaten vergewaltigt wird.

Aber die Maxime der Mutter lautete stets: Kopf oben behalten, egal was passiert. Dies beherzigen auch die Töchter und trotz gelegentlicher Ausbrüche, Zerwürfnisse, Trennungen sind Mutter und Töchter in entscheidenden Momenten füreinander da - vier starke Frauen, die in widrigen Zeiten wie Pech und Schwefel zusammenhalten.

Sehr einfühlsam erzählt.