Lesetipps

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Claudia Petrucci – Die Übung


Claudia Petrucci ist eine Neuentdeckung in der Literatur aus Italien. In diesem Buch geht es um ein spannendes Experiment, eine sogenannte Übung. Ein junges Paar lebt zusammen. Sie haben ihre Träume begraben, sie jobbt in einem Supermarkt, er hat die Bar seiner Eltern übernommen. Eigentlich hatten sie andere Pläne, sie wollte Schauspielerin werden, er Germanistik studieren. Georgia leidet an Panikattacken und Halluzinationen und versetzt sich so sehr in ihre Rollen, dass die Grenze zwischen Realität und Spiel verschwindet, deshalb hat sie damit aufgehört.

Als eines Tages ihr ehemaliger Regisseur im Supermarkt vor ihr steht, gerät alles ins Wanken. Sie lässt sich zu einer neuen Rolle überreden und bricht prompt bei der Aufführung des Stückes zusammen. Sie landet in der Psychatrie und versinkt in ihrer eigenen Welt. Da beschließen der Regisseur Mauro und ihr Freund Filipo ein Drehbuch für sie zu schreiben, um sie aus ihrer Verschlossenheit zu holen. Ein interessantes Experiment. Was für eine Geschichte.

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Maxim Leo – Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse


Michael Hartung hat in DDR-Zeiten als Stellwerksmeister am Bahnhof Friedrichstrasse gearbeitet. Durch einen Stellwerksfehler, den er verursacht hat, sind eher zufällig 127 Menschen in einem S-Bahn-Zug vom Bahnhof Friedrichstrasse in den Westen gelangt. Diese Flucht war so nicht geplant.

Jahre später, als Hartung schon im Westen lebt und sich als Videothekenbesitzer mehr oder weniger durchs Leben schlägt, bekommt er Besuch von einem Journalisten, der aus dieser Sache eine Riesen Story machen möchte. Hartung ist es zunächst unangenehm, doch als diesem viel Geld geboten wird, lässt er sich darauf ein. So wird er berühmt, sogar in Talkshows und vom Bundespräsidenten eingeladen. So viel Publicity möchte er gar nicht, doch nun kann er das Rad nicht mehr zurückdrehen. Eine herrliche Story.

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Imogen Crimp – Unser wirkliches Leben


Eine moderne Liebesgeschichte zwischen einer armen Studentin, die Operngesang studiert und einem älteren reichen Banker. Mehr Klischee geht eigentlich nicht.

Vielleicht hindert das die beiden, sich offiziell zu verbinden oder auch miteinander verbindlich umzugehen. So viele Fragen bleiben für Anna ungeklärt, sie verliert sich in Spekulationen über ihn, ohne den Mut, Fragen zu stellen.
Auch Laurie, die Freundin von Anna, mischt kräftig mit und prüft alle Handlungen von Anna und Max hinsichtlich Feminismus, Kapitalismus, Diversität und was sonst gerade noch en vogue ist. Wer kann hier schon bestehen? Vielleicht die reiche Tochter aus gutem Hause, die eine feministische WG in der eigenen Villa führt, im wahrsten Sinne des Wortes und die aber bei dem Besuch der Mutter plötzlich im Kostüm wohlgesittet beim Tee sitzt?

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Laetitia Colombani – Das Mädchen mit dem Drachen


Lena ist ein junge Frau aus Frankreich, deren Freund ums Leben kam. Um zu vergessen reist sie an den Golf von Bengalen. Am Strand beobachtet sie ein indisches Mädchen, Lalita, das dort ihren Drachen fliegen lässt. Sie spricht nicht und kann auch nicht lesen und schreiben. Lena beschliesst, ihr das beizubringen. Auch andere indische Mädchen kommen zu ihr, um von ihr zu lernen. So gründet sie dort eine Schule für Mädchen, ist aber entsetzt über die vielen Widrigkeiten, die ihr begegnen. In Indien sollen Mädchen eigentlich nicht zur Schule gehen, sondern heiraten und/oder arbeiten, um Geld zu verdienen.

Als Lena beschliesst, aufzugeben, bringt sie ein besonderes Ereignis dazu, ihre Pläne zu ändern und für immer in Indien zu bleiben. Ein schöner, berührender und zugleich unterhaltsamer Roman.

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Katharina Adler – Iglhaut


Iglhaut ist eine stachelige Persönlichkeit. Keiner kennt ihren richtigen Namen. Sie hat eine Vorliebe für Whiskey-Cocktails, und alte Sozialdemokratinnen und ein Talent für den Umgang mit Holz: im Hinterhof eines Mietshauses in Berlin unterhält sie ihre Schreinerwerkstatt. Eigentlich ist sie ein freiheitsliebender individualistischer Mensch, doch irgendwie wird sie immer in die Angelegenheiten ihrer Nachbarn verstrickt. Eine bunte Hausgemeinschaft, in der jeder mit seinen Problemen zu kämpfen hat.

Ein lebenskluger zutiefst menschlicher Roman.

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Stewart O´Nan – Ocean State


Der Roman spielt in Westerly, einer Arbeiterstadt in Rhode Island, dem kleinsten Bundesstaat der USA. Die Highschool Schülerin Birdy wurde umgebracht – sie hatte sich in den falschen Mann verliebt. Zwei Mädchen derselben Schule buhlen um die Gunst von Myles, Sohn wohlhabender Mittelschichteltern, mit Ferienhaus am Strand. Die beiden Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen sehen darin eine Chance, ihrem tristen Alltag zu entfliehen. Myles nutzt das aus, doch als seine Doppelbeziehung herauskommt, geschieht das Unvermeidliche. Es kommt zum Eklat.

So gut nachvollziehbar aus Sicht der beiden Mädchen. Eine kleine aber feinfühlige und dramatische Geschichte.

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Helga Bürster – Eine andere Zeit


Enne und Suse sind Schwestern und wachsen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Usedom auf. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Suse kränkelt ständig und erfordert die ganze Aufmerksamkeit ihrer Eltern, Enne versucht immer, es allen recht zu machen. Sie möchte Schauspielerin werden und nach Berlin ziehen. Als dann 1989 kurz vor dem Mauerfall ihre kleine Schwester Suse spurlos verschwindet, bleibt sie in ihrem Dorf und kümmert sich um die Eltern. Die Vergangenheit lässt sie nicht los, immer wieder fragt sie sich, was aus ihrer Schwester geworden ist.

Helga Bürster erzählt in ihrem neuen Roman von einer, die geblieben ist. Und immer wieder auch von den Nachwirkungen der Wende, vom Verschwinden und Bleiben. Ein sanfter und ruhiger Roman, den man unbedingt zu Ende lesen möchte. Alles dreht sich um die Frage: taucht Suse wieder auf oder nicht.

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Charlotte McConaghy – Wo die Wölfe sind


Inti Flynn kommt nach Schottland, um Wölfe in den Highlands anzusiedeln. Als Wissenschaftlerin weiß sie, dass die wilden Tiere die einzige Rettung für die zerstörte Landschaft sind. Aber sie bringt auch ihre eigenen Probleme mit. Eine seltene Krankheit mit dem Namen „Mirror Touch Syndrom“ lässt sie die Gefühle und Schmerzen von Menschen, die ihr nahe sind, körperlich und seelisch nachempfinden. Das macht das Leben für sie schwierig. Sie hat ihre Zwillingsschwester im Schlepptau, die nach einem traumatischen Erlebnis verstummt ist und sich in sich selbst zurückgezogen hat. In den rauen Highlands erleben sie viel Ablehnung für ihr Projekt, und die rauen Schotten schrecken vor nichts zurück, um sie und die Wölfe wieder zu vertreiben.

Ein sehr anrührendes und archaisches Buch, das einen zunächst wegen der Thematik ein wenig befremdet, einen aber schon nach wenigen Seiten in den Bann zieht. Die Passion der Autorin für den Einklang zwischen Natur und Tierwelt kam schon in ihrem Bestseller „Zugvögel“ zur Geltung, und auch in ihrem neuen Buch gelingt ihr das hervorragend.

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Elizabeth George - Was im Verborgenen ruht


Linley und Havers ermitteln

Zum 21. Mal sind die beiden unterwegs und auch dieser Krimi hat alles, was man als Freund des guten Kriminalromans sucht. Eine tote Polizistin führt Linley und Havers in die nigerianische Community in London und mitten hinein in eine vom Vater dominierte Familienstruktur. Linley und Havers sehen sich mit dem Thema Beschneidung konfrontiert und entdecken ein Netzwerk von Ärzten und Wunderheilern, die diese grausame Verstümmelung heute noch mitten in Europa praktizieren.

Dass Linley nebenbei um Dairdre kämpft und Havers sich immer noch mit den Verkupplungsversuchen ihrer Kollegin herumschlägt, macht das Lesevergnügen umso größer.

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Franziska Fischer – In den Wäldern der Biber


Alina lebt in Frankfurt, hat einen gut bezahlten Job und lebt mit Florian zusammen. Dieses Leben gerät nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund aus den Fugen, und sie flüchtet Hals über Kopf aufs Land nach Spechthausen, wo ihr Großvater lebt, den sie seit 20 Jahren nicht gesehen hat. Er nimmt sie trotzdem bei sich auf, ohne viele Fragen zu stellen. Endlich hat Alina einen Ort gefunden, an dem sie zur Ruhe kommen kann. Sie kocht Marmelade, arbeitet im Garten, und durchstreift mit ihrem Großvater die Wälder, um Biber zu beobachten, die dort leben. So nach und nach findet Alina heraus, was sie wirklich will vom Leben, und auch eine neue Liebe flattert ins Haus.

Ein sehr schöner und liebevoller Roman, der von allem etwas bietet. Liebe, Selbstfindung, Naturverbundenheit.

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Fabio Geda – Was man sieht, wenn man über das Meer blickt


Nach einem Streit mit seiner Frau flüchtet der junge Lehrer Andrea Hals über Kopf nach New York. In dieser Stadt, hat er in seiner Jugend gelebt. Schon lange hat er sich hierhin zurückgesehnt. Obwohl seine Frau in Italien auf ihn wartet, verlängert er immer wieder seinen Aufenthalt. Selbst als seine Frau sein Konto und seine Kreditkarten sperrt, um ihn zum Heimkommen zu bewegen, schläft er lieber auf der Straße als nach Hause zu fliegen. Was für eine Geschichte und was für ein mutiger Mann, der alles hinter sich lässt, um einen Neuanfang zu wagen.

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Jessica Durlacher – Die Stimme


Wenige Augenblicke bevor in Manhattan zwei Flugzeuge kurz hintereinander in die Twin Towers rasen werden Zelda und ihr Mann von einem jüdischen Rabbi in Anwesenheit ihrer drei Kinder getraut. Diese Ereignisse sind traumatisch für die ganze Familie und schüren bei allen die Angst vor unbekannten Menschen. Dennoch überwiegt die Gutherzigkeit, und Zelda engagiert eine junge Somalierin als Nanny für ihre Kinder. Als diese jedoch in einer Singshow im Fernsehen teilnimmt und hier ihren Schleier abwirft, um für ihre Rechte zu demonstrieren, geraten Zelda und ihre Familie ins Kreuzfeuer eines unlösbaren Konfliktes.

Ein sehr spannender Roman zu einem sehr aktuellen Thema- Eine irre Geschichte.

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Alina Bronsky - Schallplattensommer


„Es gab Tage, da wurden nur Pommes bestellt, zum Beispiel montag und donnerstags."
Was für ein Buch!
Masarati wartet auf ihre Volljährigkeit. Sie hilft ihrer Oma in deren Kneipe und versucht, die Demenz ihrer Oma zu überspielen. Die Mutter ist verschwunden.
Dann zieht eine reiche Familie mit zwei Söhnen in die Villa im Ort.
Die beiden interessieren sich sehr für Maserati und wittern ein Geheimnis.
Eine sehr spannende Geschichte beginnt, die ich hier nicht verraten will. So viel sei gesagt: Der Plot ist unglaublich, das Buch habe ich in einem Rutsch gelesen.
Fein, literarisch, vergnüglich und aufregend.

Ein Buchtipp von Waltraud Wrobel

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JP O’Connell – Hotel Portofino


Von diesem Buch habe ich mir gar nicht so viel erwartet. Schöner Umschlag, es geht um ein Hotel und seine Besitzerin und die Gäste...
Und plötzlich befindet man sich mitten in einer spannenden, aufregenden und politischen Geschichte. Nichts ist wie es scheint und sein sollte - weder bei Bella, der Besitzerin und ihrer Familie, noch bei den Gästen oder dem Personal. Diese Geschichte, die in den 20er Jahren in Italien spielt, wirft ein kritisches Bild auf die reichen Engländer, deutet schon den Faschismus an und beschreibt die Nachwirkungen und Traumata des ersten Weltkrieges.
Ein sehr gehaltvolles Buch - gut geschrieben und mit spannenden Figuren.
Einfach gute Unterhaltung meint Waltraud Wrobel

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Connie Palmen - Freundschaft


Erinnerst Du Dich auch noch an die aufregende und emotionale Geschichte von Ara und Kit? Dieses Buch habe ich geliebt!
Kit und Ara sind so gegensätzlich, führen verschiedene Leben und teilen doch ihren Lebensweg miteinander.
Sehr interessant und mitreißend.
Ich freue mich über diese feine Ausgabe in der @diogenesverlag deluxe Reihe‘ sagt Waltraud Wrobel

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Melissa Harrison - Vom Ende eines Sommers


Eines dieser Bücher, die mir immer noch im Kopf herumgehen…
Die 14-jährige Edith ist ein Bauernkind, das in Armut in den Dreißiger-Jahren lebt. Das Leben ist sehr hart, von Kindheit keine Spur. Das Leben ist klar vorgezeichnet, vor allem für ein Mädchen in dieser Zeit. Edith liebt die Natur und jede Pflanze ihrer Umgebung. Und sie liest gerne Bücher und als eine Journalistin aus London auftaucht, stellt sich die Frage, ob es nicht doch einen Ausweg aus dieser Zukunft gibt.
Eine Geschichte, die gewebt ist aus wunderschönen Naturbeschreibungen, harten Erlebnissen, bitteren Erfahrungen, einem großen Familienverbund und einer Protagonistin, der man das Beste wünscht.
Ach und dann das Ende!
Was für eine Geschichte…

Ein Tipp von Beate Hiller

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Nicole Krauss - Ein Mann sein


Nicole Krauss schreibt intensiv und emotional.
Was verbindet Männer und Frauen, was ist eine gute Frau und was ist ein guter Mann?
Wie kommen Liebende zusammen und wieder auseinander?
Wie absurd kann das Leben sein
Stories, die ich sicher noch mehrmals lesen werde.
Es sind Geschichten, die mit wenigen Worten Leben und Figuren entwerfen. Jede der Storys ist zu kurz.
Großartig und literarisch findet Waltraud Wrobel

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Donna Leon – Milde Gaben


Auch in Venedig legt die Pandemie alles lahm. Brunetti schleppt sich in die Questura und schiebt dort die Akten von rechts nach links. Ohne Touristen ist die Stadt zwar wunderbar menschenleer und eigentlich wunderschön, aber eben auch merkwürdig ruhig und ganz ungewohnt ohne Verbrechen(r)? Da kommt es Brunetti ganz gelegen, dass eine Freundin aus Kindertagen bei ihm Hilfe sucht und ihn bittet, diskret ihren Schwiegersohn zu überprüfen.

Was als Routineermittlung beginnt, endet im Sumpf einer Stiftung, die mit ihren Spenden ganz andere Dinge unterstützt, als der Stiftungszweck vorgibt.

Und wir treffen alle wieder, die uns in den langen Jahren mit dem Commissario ans Herz gewachsen sind. Ich hatte auf jeden Fall einen großen Spaß beim Lesen.

Ein Krimitipp von Beate Hiller

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Martin Walker – Tete-a-Tete


Der sympathische Bruno wird einfach nicht älter und das obwohl jedes Jahr im Sommer ein neues Buch bei uns ankommt 😊

Es geht also wieder ins schöne Perigord und zurück in die Anfänge von Brunos Zeit in Saint- Denis. Jahrelang hing an der Türe von Brunos Chef das Foto eines Schädels. Die dazugehörige Leiche konnte nie identifiziert werden. Doch die neue Technik der Rekonstruktion kann helfen und Stück für Stück wird aus dem Puzzle ein Bild.

Wie immer wird viel gegessen und lecker getrunken und auch alle Freunde Brunos sind mit von der Partie.

„Ein Sommerkrimi voller Atmosphäre, der mich wieder in Urlaubsstimmung versetzt hat“ meint Beate Hiller

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Alex Capus - Susanna


Frisch aus dem Paket kommt das neue Buch von Alex Capus, der uns immer wieder mit seinen Büchern auf neue Fährten führt. Dieses Mal lernen wir Susanna kennen , Ende des 19. Jahrhundert zunächst in der Schweiz und dann in New York lebt. Susanna entdeckt schon früh ihre Fähigkeit Menschen anhand von Fotos zu portraitieren. Ungewöhnlich für eine Frau der Zeit kann sie sich mit dieser Kunst nicht nur einen Namen machen, sondern hat auch ein eigenes Einkommen.

In seiner unvergleichlichen Sprache erzählt uns Capus die Geschichte einer Frau, die ihren eigenen Weg geht, der sie nicht nur quer durch Amerika, sondern auch ins Zelt von Sitting Bull führt. Lesen sie unbedingt, was der Dakota Häuptling mit Susanna aus Basel zu tun hat!

Ein Tipp von Beate Hiller

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Hernan Diaz - Treue


Immer wieder gibt es Bücher, bei denen ich schon fast aufhöre zu lesen, um dann doppelt froh zu sein, dass ich drangeblieben bin. So ging es mir auch mit ‚Treue‘.

Es geht los mit der Geschichte Verpflichtungen von Harold Vanner. Auf den ersten 120 Seiten lesen wir von Benjamin Rask und seiner unglaublichen Fähigkeit Geld scheinbar mühelos und grenzenlos zu vermehren. Wir befinden uns im New York der 1920er Jahre, die Metropole vibriert und das Ehepaar Rask ist mittendrin. So weit, so gut dachte ich mir als der Teil 2 mit dem Titel Mein Leben begann und wurde stutzig. Kommt da die gleiche Geschichte nochmal oder um was geht es hier eigentlich?

Hernan Diaz führt den Leser buchstäblich an der Nase herum und spätestens im Teil 3 hat er jeden an der Angel. Ein großer Lesespaß für alle Freunde der guten Literatur meint Beate Hiller

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Mariana Leky – Kummer aller Art


So lange habe ich auf das neue Buch von Mariana Leky gewartet und es hat sich gelohnt.

In 39 kurzen Kolumnen breitet sich ein ganzer Kosmos von Figuren vor mir aus – das habe ich schon in ‚Was man von hier aus sehen kann‘ geliebt. Man sieht alle vor sich, Herr Pohl mit seinem Zwergpinscher Lori, Onkel Ulrich und die Nachbarin Frau Wiese und alle wachsen einem sofort ans Herz.

Mit unvergleichlichem Witz und Empathie hilft Mariana Leky wirklich bei Kummer aller Art findet Beate Hiller.

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Susanne Abel - Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie


Im ersten Band aus der Reihe von Susanne Abel haben wir die Lebensgeschichte von Gretchen erfahren. Sie hatte in der Nachkriegszeit eine Affäre mit einem amerikanischen GI, wurde von ihm schwanger, ihre Eltern haben alles getan, um diese Liebe zu verhindern und ihr die Tochter weggenommen, die zur Adoption freigegeben wurde. Mit ihrem zweiten Mann Konrad hat sie einen Sohn, Tom,der eine bekannter Radiomoderator ist. Plötzlich taucht bei Tom ein Mann auf, der ihm verblüffend ähnlich sieht und behauptet, sein Halbbruder zu sein. Da er seine Mutter nicht mehr fragen kann, die zunehmend in die Demenz abtaucht, macht er sich auf die Suche nach der Lebensgeschichte seines Vaters. Und erfährt verblüffende Dinge.

Auch der zweite Band ist sehr spannend geschrieben und vermittelt einen sehr guten Überblick über die Nachkriegszeit.

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Martin Kordic – Jahre mit Martha


Die Geschichte beginnt in den späten Neunzigerjahren in Heidelberg. Zeljko, Sohn von Auswanderern aus Bosnien-Herzegowina, der von allen Jimmy genannt wird und mit seinen Eltern und Geschwistern zu fünft in einer Zweizimmerwohnung in Ludwigshafen lebt, kommt als Hilfsarbeiter in das Haus der reichen alleinstehenden Professorin Martha. Mit seinen erst fünfzehn Jahren verliebt er sich unsterblich in Martha, die ihm durch Theaterbesuche oder dem Lesen von Büchern das kulturelle Leben näher bringt. Das geht so weit, dass er mit Hilfe eines Stipendiums zu studieren anfängt. Er zieht nach München, doch Martha begegnet ihm immer wieder. Aber so richtig findet er sich in der intellektuellen Welt doch nicht zurecht.

Eine schöne Geschichte über einen Einwanderersohn. Gelesen von Beate Hiller

 

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Jens Liljestrand – Der Anfang von Morgen


Eine Hitzefront liegt über Europa. Waldbrände geraten außer Kontrolle. Menschen fliehen in Notunterkünfte. Durch die Städte ziehen Demonstrierende. Ein sehr aktuelles Szenario erzählt in der Geschichte von vier Menschen, deren Leben miteinander verknüpft sind und die irgendwie versuchen müssen, mit dieser Situation klarzukommen.

Ein sehr realistisches Szenario, gerade in diesen Zeiten, in denen jeder über die Klimakrise debattiert, findet Christine Riehle

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Norbert Scheuer – Mutabor


Norbert Scheuer war mit seinem Bestseller Winterbienen für den Deutschen Buchpreis nominiert. Sein neues Buch spielt auch wieder in Urft/Kreis Kall, ein Ort in Westfalen, in dem Scheuer lebt. Die Bienen spielen eine Rolle in seinen Büchern, auch die Protagonistin des neuen Buches hat ein Muttermal in Form einer Biene. Sie heißt Nina Plisson, ein etwas zurückgebliebenes Mädchen mit epileptischen Anfällen, die gar nicht so richtig weiß, was aus ihrer Mutter geworden ist und wer ihr Vater war. Sie lebt bei ihren Großeltern und später unter der Vormundschaft einer Betreuerin, die nicht gerade gut mit ihr umgeht. So wie überhaupt das Leben nicht gut ist zu dieser jungen Frau, die sich aber beträchtlich entwickelt im Laufe unseres Romans.

Das Buch ist voller Poesie und Metaphern, man muss genau aufpassen beim Lesen kann aber nicht damit aufhören.

Gelesen von Christine Riehle

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Kristina Gorcheva-Newberry – Das Leben vor uns


Anja und ihre beste Freundin Milka wachsen in den Achtzigerjahren am Stadtrand von Moskau auf. Während ihre Eltern gezeichnet sind von den Entbehrungen der Vergangenheit, blicken die beiden Mädchen voller Zuversicht in die Zukunft. „We are the champions“ von Freddy Mercury ist ihr Lieblingssong und zugleich ihr Lebensmotto. Aber Anjas Jugend nimmt durch eine Tragödie ein unerwartetes Ende. Noch vor dem Fall des eisernen Vorhangs beschließt sie, nach Amerika auszuwandern. Sie studiert dort Literatur, heiratet und lebt sich ein,  doch sie merkt, dass man seine Herkunft nicht so einfach abschütteln kann, und so reist sie noch einmal zurück in ihr Heimatland, um die Geister der Vergangenheit loszuwerden.

Ein sehr schöner Roman über das Russland der 80er Jahre mit sehr sympathischen Charakteren findet Christine Riehle

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Andreas Storm – Das Neunte Gemälde


Bonn im Frühling 1916. Ein gewisser Gilles Dupret drängt Lennard Lomberg, seinerseits Kunstexperte, die Rückgabe eines kubistischen Gemäldes zu organisieren, das sich unrechtmäßig im Besitz einer französischen Stiftung befinden soll. Lomberg ist skeptisch, willigt aber ein, sich mit Dupret zu treffen. Doch bevor es dazu kommt, wird dieser tot aufgefunden. Vom Gemälde fehlt jede Spur. Kurz darauf steht das BKA vor Lombergs Tür. Er beginnt zu recherchieren, was es sich mit dem Gemälde auf sich hat, und stößt auf eine spannende Geschichte aus der Nazizeit, in die sein eigener Vater verwickelt war.

Man muss sehr aufpassen beim Lesen dieser spannenden Geschichte, doch einmal eingetaucht, kommt man nicht mehr davon weg findet Beate Hiller


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Daniela Dröscher – Lügen über meine Mutter


Daniela Dröscher, die mit ihrem Roman auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht, erzählt aus der Sicht der 8jährigen Ela die Geschichte ihrer Eltern, in der ein Thema alles beherrscht: das Gewicht der Mutter. Sie schämt sich, und ihr Vater lässt kein gutes Haar an seiner Frau, schikaniert sie täglich, weil er findet, dass sie zu dick ist. Ist doch eine Frau in den 80er Jahren immer noch das Aushängeschild des Mannes. Der Vater macht sie für all seine Missgeschicke verantwortlich. Man beachte: bis 1977 brauchten die Frauen die Zustimmung des Ehemannes um arbeiten gehen zu dürfen.

Sehr berührend und eindrucksvoll geschildert findet Christine Riehle

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Isabel Allende - Violeta


Isabel Allendes Geschichten spielen meistens in Südamerika, in Chile, dem Land aus dem die Autorin stammt. So auch die bunte Lebensgeschichte von Violeta, 1920 geboren, jüngste Schwester von fünf Brüdern. Eigentlich lebt sie in einer wohlhabenden Familie, doch als die Weltwirtschaftskrise zum Ruin des väterlichen Unternehmens führt, müssen sie aufs Land ziehen und bei Verwandten unterkommen. Hier erfährt Violeta was es heißt hart zu arbeiten. Doch die Verehrer bleiben nicht aus, und so fällt Violeta von einer Romanze in die nächste. Ein sehr bewegtes und spannendes Leben, von dem Violeta in einem Brief an ihren Enkel erzählt.

Großes Kino findet Christine Riehle

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Richard Roper – Zwei auf einem Weg


Theo kommt irgendwie nicht zurecht in seinem Leben. Er hat sich von seiner Freundin getrennt und ist wieder bei seinen Eltern eingezogen, in das Gartenhaus. Doch just in dem Moment, als ihm der Rausschmiss durch seinen Vater droht, steht sein alter Freund Joel vor ihm, den er seit vielen Jahren nicht gesehen hat. Joel ist erfolgreicher Drehbuchautor, und das wollte Theo eigentlich auch werden. Ein dramatischer Unfall hat die beiden auseinandergebracht, seitdem Theos Schwester im Rollstuhl sitzt, und an dem Joel nicht unschuldig war. Nun ist Joel schwer krank, davon weiß Theo nichts, und schlägt ihm eine Wanderung am Themsepfad vor, eine Lebenstraum, den die beiden damals hatten. Wird es klappen und wird Theo wieder mit Joel sprechen?

Ein sehr ergreifender und berührender Roman über ein tiefe Freundschaft findet Christine Riehle

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Romy Fölck – Die Rückkehr der Kraniche


Bei Wind und Wetter setzt Grete Hansen mit ihrem Boot über auf die Elbinsel, wo sie als Vogelwartin arbeitet. Sie liebt die Natur, und lebt ansonsten alleine mit ihrer Mutter Wilhelmine im Marschland an der Elbe. Die beiden bewirtschaften einen Hof. Der Vater ist früh gestorben, ihre Schwester Freya hat direkt nach dem Abitur das Haus verlassen, um in Berlin Karriere zu machen, und Gretes uneheliche Tochter Anne studiert in Bremen, und es zieht sie auch nicht unbedingt nach Hause in diesen Frauenhaushalt. Doch dann erkrankt Wilhelmine, und es zeichnet sich ab, dass sie nicht mehr lange leben wird. Alle Frauen kehren nach Hause zurück, es gibt viele Konfrontationen, doch nach und nach erzählen sie sich ihre Geheimnisse, die sie alle so lange voreinander verborgen haben.

Eine wunderschöne Geschichte mit traumhaften Naturbeschreibungen findet Christine Riehle

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Alexa Hennig von Lange – Die karierten Mädchen


Die Autorin hat hier eine Trilogie vorgesehen, die die Lebensgeschichte ihrer eigenen Großmutter erzählen soll, die ihre Schilderungen auf 130 Tonkassetten aufgenommen hat sozusagen als Vermächtnis. Es beginnt Anfang der Dreißigerjahre als die junge Klara die Leitung eines Kinderheims übernimmt. Die wirtschaftliche Lage des Heims ist schlecht, deshalb sieht sich Klara entgegen ihren Überzeugungen gezwungen, mit den Nationalsozialisten zu kooperieren. Bald wird das Heim zum Aushängeschild der Nazis; die braven Mädchen, die immer karierte Kleider tragen, verkörpern das Idealbild der guten deutschen Frau. Als Klara ein behindertes Waisenmädchen bei sich aufnimmt, spitzt sich die Lage zu.

Eine sehr schöne Erzählung findet Christine Riehle.

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Melissa Harrison – Weissdornzeit


Die Geschichte spielt in England zur Zeit der Weissdornblüte. Es geht um eine alte Landstraße, um ein malerisches Dorf und um die Geschichte von vier Menschen, die versuchen, sich einen Platz im Leben zu erkämpfen. Am Ende der Geschichte steuern diese Menschen, die sich nicht kennen, aufeinander zu, aber auf eine Art und Weise, mit der man nicht gerechnet hätte. Man bekommt einen kleinen Eindruck im Prolog, dann springt die Geschichte zurück zur eigentlichen Handlung, natürlich möchte man dann wissen, wie alles zusammenhängt. Eine feine, liebevolle, leise Erzählung mit einem sehr verblüffenden Ausgang.

Schon das Vorgängerbuch „Vom Ende eines Sommers“ hat mir sehr gut gefallen, Melanie Harrison macht gerade weiter so. Eine wundervolle leichte Sommerlektüre findet Beate Hiller

 

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Giulia Caminito – Das Wasser des Sees ist niemals süß


Giulia Caminito ist eine mir bisher unbekannte Autorin, die aber in Italien schon zahlreiche Preise abgeräumt hat. Unsere Protagonistin, Gaia, kommt aus sehr einfachen Verhältnissen. Sie lebt mit Ihrer Mutter, ihrem Vater und ihren drei Brüdern in einer Sozialwohnung. Die Mutter versucht die Familie über Wasser zu halten, der Vater ist auf einem Baugerüst abgestürzt und nicht sozialversichert, weil er illegal gearbeitet hat. Für ihre Tochter möchte die Mutter ein besseres Leben und schickt sie deshalb auf eine Eliteschule. Natürlich wird sie dort gemobbt, weil man seine Herkunft schlecht verleugnen kann, doch aus dem jungen schüchternen Mädchen wird eine bemerkenswerte emanzipierte junge Frau, die jedoch manchmal zu harten Methoden greift, um sich zu wehren.

Ein eindrucksvolles Debut findet Christine Riehle

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Ingo Bott – Pirlo Falsche Zeugen


Letztes Jahr erschien der erste Fall rund um die Strafverteidiger Pirlo und Mahler und hat mit total begeistert. Der Autor war zudem Gast bei den Stuttgarter Kriminächten, und ich habe ihn passend in einem Strafprozess Saal des Stuttgarter Landgerichts kennengelernt. Eine gewisse äußere Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen, aber sonst ist natürlich alles Fiktion 😊.

Im zweiten Fall kommen die beiden ganz schön an ihre Grenzen. Die Kanzlei ist mittlerweile aus dem Wohnzimmer ausgezogen und hat einen Mitarbeiter. Und auch sonst zieht Routine ein in die Fälle der beiden. Bis ein Clan Mitglied auf einem Parkplatz mit einem Messer in der Hand vor einer Leiche kniend verhaftet wird und seine Unschuld beteuert. Da das Opfer ein stadtbekannter Neonazi ist und sich kein anderer Verdächtiger finden lässt, scheint der Fall aussichtslos. Aber Pirlo hat nicht umsonst eigene Clan Erfahrung, auch wenn ihm dieses Mal nicht nur eine sehr schöne Frau den Kopf verdreht.

Unbedingt lesen empfiehlt Beate Hiller